Recht und Gerechtigkeit im Werk von Kafka, Kleist und Dürrenmatt

Ein Literaturgespräch zu zentralen Fragen der Abitur-Lektüre an der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule

In wenigen Wochen beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen, und traditionellerweise macht das Fach Deutsch den Anfang. Seit zwei Jahren beschäftigen sich die Oberstufenschülerinnen und -schüler nun mit den sogenannten Pflichtlektüren, zu denen in diesem Jahr Heinrich von Kleists Michael Kohlhaas, Franz Kafkas Der Prozeß und Friedrich Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame gehören. „Es sind immer wieder dieselben Fragen, die bei der Besprechung dieser Texte auftauchen“, weiß Katja Gießler, Sprecherin der Fachschaft Deutsch an der Richard-von-Weizsäcker-Schule; immer drehten sich die Unterrichtsgespräche um die Begriffe von Recht und Rechtfertigung, Schuld und Sühne sowie um die Frage, ob der Einzelne sich sein Recht selbst verschaffen könne, wenn der Staat es nicht garantiert. Um den Schülerinnen und Schülern Antworten auf diese nicht genuin germanistischen und literaturwissenschaftlichen Fragen zu ermöglichen, lud die Fachschaft drei ausgewiesene Experten am vergangenen Freitag zu einem Podiumsgespräch ein, die sich überdies als Praktiker tagtäglich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit Schuld und Sühne   beschäftigen: Mit Dr. Wolfgang Amendt, Arne Burchartz und Joachim Stier kamen ein Jurist, ein Psychotherapeut sowie ein Theologe in die Schule und diskutierten mit den künftigen Abiturienten über Fragen, welche die grundsätzlichen Aspekte der Lektüretexte des Deutschunterrichts betrafen. Die Schülerinnen und Schüler griffen diese Gelegenheit dankbar auf und suchten das Gespräch mit den drei ‚Externen‘, das sich als überaus lebhaft erwies, sodass die vorgesehene Zeit von eineinhalb Stunden kaum ausreichte, um auf alle angesprochenen Fragen und Aspekte einzugehen.
Katja Gießler freute sich über die rege Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an diesem Gedankenaustausch, der den Jugendlichen auch die Möglichkeit verschaffte, jenseits der Schranken des Unterrichts und der Klausurvorbereitungen drei akademische Berufsfelder und -tätigkeiten aus dem Munde überzeugender Vertreter ihres jeweiligen Faches kennenzulernen. „Der heutige Vormittag bestätigt uns darin, den Abiturienten unserer Schule auch in Zukunft Perspektiven jenseits ihrer bald anstehenden Prüfungen zu bieten“, erklärte sie im Anschluss an das Podiumsgespräch und konnte sich der Zustimmung der Schülerinnen und Schüler sicher sein, die über diese alternative Form des Gesprächs zu Fragen ihres Deutschunterrichts sichtlich zufrieden waren.