Wie man ein Kind lieben soll

Wie man ein Kind lieben soll

Eine Diskussion um pädagogische Konzepte im Geiste Janusz Korczaks an der Richard-von-Weizsäcker-Schule

Das Öhringer Mehr-Generationen-Haus und das Evangelische Jugendwerk im Bezirk Öhringen hatten am vergangenen Freitag zu einer Vortragsveranstaltung mit anschließender Podiumsdiskussion in die Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule eingeladen, deren Leitfrage nicht gerade zu den einfachsten unserer Zeit gehört: Die an der Stuttgarter Dualen Hochschule lehrende Professorin Annette Ullrich sprach zum Thema Wie man ein Kind lieben soll und erläuterte die Grundrechte der Kinder, wie sie der polnische Arzt und Pädagoge Janusz Korczak bereits 1919 formuliert hatte. Der Vortrag stellte machte deutlich, wie wichtig es Korczak war, Kinder als autonome und zur Freiheit berufene Wesen zu betrachten. Gleichzeitig unterstrich Annette Ullrich die Rolle des Vergebens für das menschliche Miteinander, wie Korczak es in dem von ihm geleiteten Waisenhaus propagierte, aber vor allem vorlebte. An der anschließenden von Wigbert Draude-Groschwitz moderierten Podiumsdiskussion nahmen Joachim Hofmann, Inge Klein, Karina Müller-Aichelin, Valentina Sperling und Joachim Stier teil und diskutierten Konsequenzen aus den Maximen Korczaks für heutige erzieherische Konzepte. So betonte Joachim Hofmann, Rechtsanwalt und Vater dreier Kinder, dass zur Erziehung vor allem gehöre, den Kindern Freiheit zu geben und die Kinder auch loslassen zu können auf ihre eigenen Wege. Inge Klein als Vertreterin der katholischen Kirchengemeinde stimmte zu, legte aber Wert darauf, dass Freiheit nur in Verbindung mit Warmherzigkeit seitens der Eltern bzw. der Erziehenden frei machen könne. Valentina Sperling, Schülerin in der Öhringer Fachschule für Sozialpädagogik und vor zehn Jahren aus Kasachstan nach Deutschland gekommen, sprach nicht nur als Mutter zweier Kinder, sondern auch vor dem Hintergrund, dass sie, die in ihrer Heimat Mathematik- und Physiklehrerin war, lange Jahre dort auch in einem Waisenhaus gearbeitet hat: Die Grundhaltung bei der Arbeit mit Kindern müsse vor allem anderen von Respekt geprägt sein, und gerade in einer Zeit, in der Fördern, aber auch Fordern zu pädagogischen Leitlinien geworden sind, bedürfe es um so mehr des gegenseitigen Respekts. Um diesen Begriff kreisten auch die Fragen und Beiträge aus dem zahlreich erschienenen Publikum: Wie weit dürfe der Zwang – zum Beispiel zum Instrument-Spielen – gehen, und wann sei für das Kind die Grenze des Erträglichen erreicht. Nicht in allen Fragen gab es Einigkeit auf dem Podium sowie im Publikum, aber mit dem im Geiste Janusz Korczaks gesprochenen Schlusswort des Moderators konnten sich schließlich alle identifizieren: Das Wohlergehen von Kindern ist es wert, sich als Erwachsener immer wieder von ihnen in Frage stellen zu lassen.

Wie man ein Kind lieben soll Ein engagiertes Podium und ein interessiertes Publikum diskutierten die Thesen Janusz Korczaks in der Richard-von-Weizsäcker-Schule.