Cyrano de Bergerac

Schauspiel von Edmond Rostand

Scharfer Verstand und große Nase

Zum Abschluss der Spielzeit 2012/2013 steht im Großen Haus des Theaters Heilbronn eine romantische Komödie auf dem Programm, in der mit Worten und mit Degen gefochten, gekocht und gefeiert, gedichtet und gestritten, geliebt und gelitten wird: »Cyrano de Bergerac« von Edmond Rostand – die Geschichte der berühmtesten Nase der Theatergeschichte. Johanna Schall inszeniert dieses Stück als sinnenfrohes Bühnenspektakel um äußere Schönheit und innere Werte mit Nils Brück in der Titelrolle.

Cyrano de Bergearc ist in der ganzen Stadt berühmt- berüchtigt wegen seiner spitzen Zunge und seines scharfen Degens. Er kennt keine Unterwürfigkeit vor irgendwelchen Autoritäten oder Gesetzen. Er ist ein »Künstler, Sänger, Fechter, Verseschmied.« Wenn ihm etwas nicht gefällt, dann sagt er es laut und deutlich in geschliffenen Worten. Das bringt ihm nicht nur Respekt, sondern auch eine Menge Feinde ein. Besonders einer Sache sollte man sich hüten, um Cyranos aufbrausendes Temperament nicht zu reizen. Man darf ihn nicht auf seine Nase ansprechen. Mutter Natur hat ihn mit so einem großen Zinken ausgestattet, dass man diesen unweigerlich als Provokation empfinden muss. Einzig sich selbst gestattet Cyrano den Spott über sein überdimensioniertes Riechorgan. Jeden anderen fordert er bei der kleinsten Anspielung sofort zum Duell. »Wer nur sein Schnupftusch zieht, der zieht sein Leichentuch.«

Denn diese Nase, die macht ihm wirklich zu schaffen. Cyrano findet sich so hässlich, dass er sich die Liebe verbietet. Schon lange betet er die schöne Roxane an, aber wegen seines Aussehens traut er sich nicht, sich ihr zu offenbaren. Er kann es gar nicht fassen, dass sie ihn eines Tages um ein Rendezvous bittet. Doch schnell verschwindet seine Hoffnung, denn sie möchte nur, dass er Christian, einen überaus attraktiven jungen Mann, der im gleichen Regiment dient wie er, in seine Obhut nimmt. Sie liebt Christian wegen seiner Schönheit. Auch wenn es Cyrano schwer fällt, willigt er aus Liebe zu Roxane ein. Allerdings merkt er rasch, dass Christian entsetzlich dumm ist. So leiht ihm denn Cyrano seinen Verstand: »Wir gehen- im Lichte du, im Schatten ich- zu zwein. Und ich werd dein Geist, du wirst mein Körper sein.« Wegen der Briefe, die Roxane jetzt von Christian bekommt, hält sie ihn für genial. So langsam verblasst die Liebe zu seiner Schönheit sogar hinter der zu seiner vermeintlichen Intelligenz und seiner schönen Seele …

Historische Figur

Der historische Cyrano de Bergerac, eigentlich Hector Savinien de Cyrano, war ein französischer Schriftsteller und lebte von 1619 bis 1655 in Paris. Er gilt als einer der Erfinder des Science-Fiction-Romans und als ein Vorläufer der Aufklärer des 18. Jahrhunderts. Viele Fakten aus seinem Leben und seinen Werken hat Edmond Rostand in seinem Schauspiel verarbeitet. So war Cyrano ein Unzeitgemäßer, ein Freigeist und Erfinder, ein Poet und ein großer Utopist. In seinem zweiteiligen Roman von 1650 beispielsweise »L’autre monde« (Die andere Welt) berichtet ein Ich-Erzähler von seiner angeblichen Fahrt zum Mond und zur Sonne und von seinen Erlebnissen und Gesprächen mit deren Bewohnern. Hierbei legt Cyrano den Mond- und Sonnenbewohnern philosophische, naturkundliche, religiöse und gesellschaftspolitische Gedanken in den Mund, die in Frankreich zu seiner Zeit verboten waren. Er wusste genau, dass der Mond eine Welt unter vielen ist, so wie die Erde, die sich bewegt und um die Sonne kreist. Das war vermessen und mutig in einer Zeit, in der Galileo widerrufen musste und die Scheiterhaufen noch schwelten. In seine 1654 gedruckte Tragödie La Mort d’Agrippine (Der Tod der Agrippina) baute er religionskritische Tiraden ein, die bei der Aufführung Ende 1653 großen Anstoß erregten.

1654 ließ er eine Sammelausgabe bis dahin verfasster kleinerer Werke erscheinen, darunter vor allem die in Prosa geschriebene Komödie Le Pédant joué (= der ausgetrickste Pedant), aus der Molière für sein vorletztes Stück, Les fourberies de Scapin, geschöpft hat.Im selben Jahr ereilte ihn ein tragischer Unfall, der allerdings von manchen auch als Mordanschlag gedeutet wurde: Unter ungeklärten Umständen fiel ihm im Stadtpalast seines Protektors ein Balken auf den Kopf. Er wurde zunächst in Paris von seiner Schwester Catherine, einer Nonne, gepflegt und später von einem Cousin in Sannois aufgenommen. Dort starb er ein gutes Jahr nach dem Unfall (ob an dessen Folgen oder an einer Krankheit, ist nicht bekannt) im Alter von erst 36 Jahren. Heute wissen wir nicht viel mehr über ihn als das, was Edmond Rostand in seinem Stück »Cyrano de Bergerac« 1897 über ihn verewigt hat. Ob es Roxane wirklich gab, wissen wir nicht.