„Sprachheilschule als Durchgangsschule“ – Exkursion der Klasse 3 BKSP-IT 2 zur Gebrüder-Grimm-Schule nach Heilbronn

Am 23.05.2014 machten sich 11 Schülerinnen der Fachschule für Sozialpädagogik mit ihrer Lehrerin Claudia Litterst auf, die Gebrüder-Grimm-Schule in Heilbronn zu besuchen.
Nach einer herzlichen Begrüßung durch die Schulleiterin Frau Traub durften die angehenden Erzieherinnen im zweiten Jahr ihrer Teilzeitausbildung in Kleingruppen zu zwei bis drei Personen am Unterricht der Sprachheilschule in der 2. und 3. Klasse teilnehmen.
In einer Deutschstunde der 2. Klasse wurde z.B. von den Kindern eine Piratengeschichte aus einem Lesebuch nachgespielt. Aufgefallen war den Öhringer Schülerinnen, dass es ein sehr starkes Miteinander und einen sehr wertschätzenden Umgang der Kinder untereinander gibt.
Im Anschluss an die Unterrichtsstunde bekamen die Öhringer Besucherinnen viele Informationen von der Schulleiterin Frau Traub zur Gebrüder-Grimm-Schule. Besonders interessant war das Hörbeispiel eines fünfjährigen sprachbehinderten Mädchens. Mit Hilfe eines Formblattes zur Artikulationsprüfung durften sich die Öhringer Fachschülerinnen selbst ausprobieren und eine „Diagnose“ erstellen.
Im Anschluss wurde der Fall des Mädchens besprochen, das unter Dyslalie und Dysgrammatismus litt.
Neben weiteren Informationen erfuhren die zukünftigen Erzieherinnen, dass die Sprachheilschule Beratungen für Eltern und ambulante Therapien für Eltern und ihre Kinder anbietet und dass die Schule als Durchgangsschule gilt. Je nach Sprachbehinderungsbild wechseln die meisten Kinder nach ein bis zwei Jahren auf eine reguläre Grundschule.
Für die zukünftigen Fachkräfte eine wichtige Information, treffen sie in der Praxis doch immer wieder auf Kinder mit Sprachauffälligkeiten. Es ist es wichtig, die nächsten Schritte zu kennen, um frühzeitig intervenieren zu können. Sprachheilschulen sind hier wichtige Ansprechpartner in der Frühförderung.
Frau Traub ging auf die vielen Fragen der Öhringer Fachschülerinnen ein und machte deutlich, dass eines ihrer Ziele an der Schule ist, „die Sprachfreude der Kinder zu erhalten. Die Kinder sollen sich trauen zu sprechen. Sie müssen sich verstanden fühlen. Es geht mehr um den Inhalt, den am die äußere Form. Fühlen sich die Kinder nicht verstanden, zeigen sie Vermeidungsverhaltensweisen und sprechen nicht mehr“.
Dies bestätigten manche Schülerinnen bezogen auf Erfahrungen aus ihrer Kindergartenpraxis.
Eine Schülerin erzählt von einem Fall von Mutismus. Dieses Kind hat im Kindergarten geschwiegen. Kinder, die unter Mutismus leiden, haben eine gut entwickelte Sprache, sprechen aber nicht. Diese Kinder brauchen psychotherapeutische Hilfen.
Im Unterrichtsfach „Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben“ (UVL) wurde in den Stunden zuvor in der Klasse das Thema „Verhaltensauffälligkeiten“ behandelt. Auf die Frage einer Schülerin, ob Frau Traub in ihrer Tätigkeit an der Sprachheilschule Entwicklungsveränderungen auch diesbezüglich festgestellt habe, wurde dies bejaht. Nach Meinung der Schulleiterin gehen Sprachbehinderungen heute oft mit anderen multiplen Beeinträchtigungen einher. „Die klassische Sprachbehinderung ist eher rückläufig“. Die Ursachen können an eingeschränkten motorischen Möglichkeiten liegen, da Sprache und Motorik eng zusammenhängen oder auch dem Umstand geschuldet sein, dass viele Kinder in hohem Maße mit modernen Medien beschäftigt sind.“
Nachdem viele Fragen gestellt und neue interessante Erkenntnisse gewonnen wurden, kam am Ende des Vormittags der Zeitpunkt, sich zu verabschieden.
Die Klasse 3 BKSP-IT 2 mit ihrer Lehrerin Claudia Litterst bedankte sich sehr herzlich bei Frau Traub, auch stellvertretend für die Kolleginnen, die sich die Zeit genommen hatten, einen Einblick in ihre Arbeit zu gewähren.

Fazit der Schülerinnen:

Dagmar: „Es war sehr beeindruckend, dies kennen lernen zu dürfen.“

Larissa: „Wir haben viele wichtige Informationen bekommen.“ Und Steffi ergänzt: „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.“

Melanie und Cristina: „Es war spannend in der Klasse im Unterricht bei den Kindern dabei zu sein. Die Zeit ist verflogen“.

Schulleiterin Frau Traub (rechts)
Lehrerin Claudia Litterst (5. von rechts) mit der Klasse 3 BKSP-IT 2