Eine önologische Exkursion ins Rheingau

Hohenloher Schüler des Agrarwissenschaftlichen Gymnasiums besuchen die Hochschule Geisenheim und informieren sich über Weinbau

Zu einer besonderen Exkursion brachen Ende Juli sieben Schülerinnen und Schüler der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Richtung Geisenheim auf. Ziel war die dortige Fachhochschule für Weinbau und begleitet wurden sie von Frank Dietz, Lehrer und Leiter der Abteilung Landwirtschaft. „Unsere Schülerinnen und Schüler kommen oft aus Wengerter-Haushalten, und den lokalen und regionalen Weinanbau zu fördern ist eines unserer wichtigen Ziele“, begründet Frank Dietz diese önologische Exkursion, die nicht zuletzt der beruflichen Orientierung der Jugendlichen diente. Begrüßt wurde die Öhringer Gruppe von Dr. Randolf Kauer, Professor an der Fachhochschule Geisenheim, der gleich zu Beginn einen schülergerechten Überblick über die Studienmöglichkeiten an der Hochschule Geisenheim gab. Die Kellerwirtschaft wurde den Öhringern von Wolfgang Pfeifer vorgestellt; der Diplomingenieur am Zentrum für Weinforschung und Verfahrenstechmologie der Getränke ist nicht nur eine Geisenheimer Institution, sondern für die Studierenden bereits zu Lebzeiten eine Legende („Philosoph im Keller“) – das erfuhren die Besucher von Alexander Bauer vom Weingut Bauer in Heilbronn-Sontheim, der als ehemaliger Schüler und Abiturient der Richard-von-Weizsäcker-Schule (Jahrgang 2009) in Geisenheim studiert und die Vorbereitungen des Besuchs tatkräftig unterstützt hatte.

Dank ihrer Kontakte zur Hochschule öffneten sich den Öhringern im 2009 neu fertiggestellten und mit einem Architekturpreis ausgezeichneten Laborgebäude alle Türen: Dipl.-Ing. Ruth Lehnart stellte ihnen zusammen mit Dr. Otmar Löhnertz, Professor für Bodenkunde und Vizepräsident der Hochschule, einzelne Labor- und Forschungsarbeiten vor: Dabei beeindruckte die Öhringer Schüler/-innen vor allem der Blick unter ein 3D-Elektronen-Mikroskop, aber nicht minder interessierten sie sich für die Informationen zur FACE-Forschungsanlage auf den Außenlagen der Hochschule Geisenheim: FACE2FACE ist ein Forschungsprojekt über die Folgen des Klimawandels und projiziert Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel sowie Möglichkeiten zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen bis 2050.

So lehr- und inhaltsreich der Besuch der Hochschule war, so sehr hätte eine wesentliche Komponente gefehlt ohne Weinverkostung und ohne Berücksichtigung der amönen Landschaft rundherum: Auf dem Mumm’schen Weingut führte Silvia Gietz, Bachelor of Science (B.Sc.) und ehemalige Kommilitonin von Alexander Bauer, die Öhringer Gruppe; dann ging es über den Weinberg des Schlosses Johannisberg bis zum Sitz des Weingutes. Auf dem „ersten Riesling-Weingut der Welt“ erwartete die Schüler/-innen eine denkwürdige Führung durch die seit dem letzten Umbau im Jahre 1771 unveränderten geschichtsträchtigen Kellergewölbe. Der Johannisberg gilt übrigens als Geburtsort der Spätlese: Im Herbst des Jahres 1775, so berichtet die Chronik, verspätete sich der Reiter, der als Kurier die in Fulda erteilte Weinleseerlaubnis überbringen sollte. Erstmals wurden daher schon von Fäulnis befallene Trauben gelesen – was sich bald darauf als Glücksfall für die Qualität des Weins erweisen sollte. Jenes Jahr wurde somit zum Beginn der Prädikatsweinerzeugung – und dass diese Tradition hier bis heute gepflegt wird, wurde bei einer sich anschließenden – von Heiner Gietz, dem Außenbetriebsleiter des Weinguts Schloss Johannisberg, geleiteten – Verkostung überdeutlich.

Auch ein Gang durch die legendäre Drosselgasse in Rüdesheim stand auf dem Programm, bevor es zu dem erstmals im 13. Jahrhundert erwähnten Weingut ‚Graf von Kanitz‘ ging. Im Rheingau sind es die Lagen des Weingutes Graf von Kanitz, die eine besondere Stellung einnehmen, nämlich durch die Steillage nahe am Rhein und durch die wärmespeichernden Schiefer-Quarzböden. Hier erfuhren die Schüler/-innen der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule viel über ökologischen Weinanbau im Zeichen des ECOVIN-Labels und nach den strengen Richtlinien des Bundesverbandes Ökologischer Weinbau (BÖW).

Bei der Heimreise nach Hohenlohe ließen die Jugendlichen ihre zahlreichen neu gewonnenen Kenntnisse und Einblicke Revue passieren; und für manch einen verdichteten sich die gerade durch den Kontakt mit der Hochschule gewonnenen Einblicke auch zu einem Ausblick auf eine eventuelle berufliche Zukunft als Winzer. Einig waren sich alle, dass es solche Exkursionen sind, durch welche die Theorie des Unterrichts erst ihre ganze Bandbreite entfaltet.

exkurion nach geisenheim

Alle teilnehmenden Schüler/-innen haben einen ‚önologischen Hintergrund‘

(von links:)

Frank A. Dietz Abteilungsleiter an der Richard-von-Weizsäcker-Schule Öhringen

Melanie Rupp Klasse JS1/6 aus dem Weinanbau in Obersulm-Weiler

Luisa Albrecht Klasse JS1/2 vom Weingut Albrecht-Kiessling in Heilbronn

Christian Pförsich Klasse EK2 Weinanbau in Bretzfeld (Weiler Hahnenbusch)

Mathias Pfisterer Klasse EK2 Weinanbau in Bretzfeld-Scheppach

Florian Mai, Florian Klasse EK2 vom Weingut Mai in Bretzfeld-Unterheimbach

David Hehmann Klasse JS1/2 aus dem Weinanbau in Brackenheim

Till Baumann Klasse JS1/2 vom Weingut Dr. Baumann, Schloss Affaltrach in Obersulm

Alexander Bauer vom Weingut Bauer in HN-Sontheim)