„Das Reisen führt uns zu uns zurück.“ (Albert Camus)

Um unsere erfolgreiche, zweifache Camus-Tournee gebührend zu feiern, gönnten wir, der Philosophiekurs 2013/14, uns einen abschließenden Ausflug in die Denkermetropole Tübingen.

So begab es sich also am 14. Juli 2014, dass wir uns um 8.45 Uhr in Heilbronn trafen um mit der Bahn nach Tübingen zu fahren. Hier wurden wir schon von Pfarrer Waßmann, der uns über Nacht im Gemeindehaus seiner Kirche Obdach gewährte, empfangen. Pfarrer Waßmanns spannende Anekdoten ließen auch den beschwerlichen, kofferbeschwerten Weg zum Gemeindehaus kürzer erscheinen, sodass wir nach einer kurzen Pause wieder mit neuen Kräften in die Stadt aufbrechen konnten.

Um uns die kulinarischen Vorzüge der Studentengesellschaft näher zu bringen, nahmen wir unser Mittagsmahl in der Prinz-Karl-Mensa ein um hiernach gestärkt in einem Seminar der Tübinger Uni einem Vortrag zum Thema ‚Philosophie des Feminismus‘ zu lauschen.
Als besonderes Kleinod entpuppte sich Herrn Menz‘ Lieblingsbuchlanden “H.P.Willi“, in dem wir stundenlang schmökernd auf dem Boden saßen oder durch die Räume streiften, um die eine oder andere literarisch-philosophische Kostbarkeit zu entdecken.

Unser abendliches Picknick auf der Stiftskirchentreppe erhielt durch die allwöchentliche Montagsdemo (zur Hartz4-Debatte) einen politischen Einschlag, so dass wir an diesem Jahrstag der Französischen Revolution nicht nur im Elfenbeinturm des φilosophischen Denkens blieben, sondern uns auch der praktischen Veränderung der Gesellschaft bewusst wurden – war es nicht Karl Marx, der gesagt hat, dass Philosophen die Welt lediglich verschieden interpretierten – tatsächlich komme es jedoch darauf an, sie zu verändern?

Sehr interessant und lehrreich gestaltete sich auch die Führung durch die Stiftskirche mit dem (beinahe) allwissenden Herrn Klein. Als weniger allwissend erwies sich Prof. Bernhard Pörksen, Dozent der Medienwissenschaft, im ‚Cafe-Philo‘ bei seinem Vortrag zumThema „Es braucht den Tanz des Denkens“. Zwar beherrschte er die Kunst, seine Ausführungen zum Thema ‚Konstruktivismus und Realismus‘ möglichst kompliziert und „ismen-haltig“ auszudrücken; nachdem man seine fremdwortbelastete Sprache jedoch übersetzt hatte, stellte sich die Argumentation selbst als weniger ausgefallen dar – sodass am Schluss zusammenfassend zu bemerken war: „Eigentlich reden wir hier doch seit Anfang an über das gleiche.“ Damit war die Diskussion offiziell beendet.

Themengerecht philosophisch ging es auch in der Studentenkneipe zu, die wir in Begleitung ehemaliger Schüler des AGs besuchten.

Nach einem ausgiebigen, absolut fair gehandelten und moralisch korrekten Frühstück mit Bio-Crunchy-Müsli, Fairtrade-Obst, Honig und Brötchen vom kleinen Familienbäcker am Morgen des folgenden Tages (15. Juli), wurde die Tafelrunde zum Philosophenzirkel. Die Diskussion über Hannah Arendt und die Banalität des Bösen war so ergiebig, dass Nietzsche leider aufs nächste Schuljahr verschoben werden musste und wir fast zu spät zur Führung im Evangelischen Stift eintrafen. Dadurch, dass eine Studentin uns durch die Räume führte und weniger Daten als vielmehr spannende Geschichten zu erzählen hatte, war auch diese Führung keine Sekunde langweilig – und jetzt wissen wir, dass Hegel zu spät zu kommen pflegte.

Die anschließende Mittagspause konnte jeder frei nutzen, um nach Belieben durch die Stadt zu streifen oder noch einmal Mensa-Essen zu kosten, bis wir uns wieder in gemütlicher Runde auf der Treppe der Stiftskirche zusammenfanden und schließlich zur Führung ins Landestheater aufbrachen. Hinter und vor den Kulissen gab es auch hier sehr viel zu entdecken und zu lernen – ob nun die Tatsache, dass lediglich 10% der an einer Theaterproduktion Beteiligten auf der Bühne zu sehen sind, oder aber die schlichte Erkenntnis, dass abgehackte Requisitenarme sich erschreckend echt anfühlen. Leider blieb für den Kostümfundus keine Zeit und so machten wir uns mit dem Vorsatz wiederzukommen wieder auf den Rückweg, um schließlich nach ein wenig Zugfahrt wieder in Öhringen anzukommen.

Hat Tübingen uns zu uns zurückgeführt? Vielleicht – Spaß gemacht hat der Ausflug aber auf jeden Fall!