Die Entdeckung einer versunkenen Welt

Eine Exkursion des Seminarkurses ‚Jüdische Kultur in Polen‘ nach Krakau

Die eigentliche polnische Hauptstadt Polens sei Krakau, erfuhren die 13 Öhringer Schülerinnen und Schüler gleich nach ihrer Ankunft bei einem ersten Rundgang durch die Stadt rund um die berühmten Tuchhallen. Kulturell in jedem Fall, unterstrich die Stadtführerin Theresa, religiös sowieso – wie die zahlreichen Hinweise auf die Krakauer Herkunft des Papstes Johannes Pauls II. zeigten; und politisch habe Warschau der Stadt unter dem Wawel erst vor relativ kurzer Zeit innerhalb der über tausendjährigen Geschichte Polens den Rang abgelaufen. Derart eingestimmt konnten sich die Öhringer Schülerinnen und Schüler, begleitet von Dr. Monika Bräuninger und Robert Gottscholl, zunächst nur voller Ehrfurcht den ehrwürdigen Stätten der polnischen Nation und des allgegenwärtigen Katholizismus nähern. Dass fast ein Drittel der 750 000 Einwohner Krakaus Studenten sind und ein junges, dynamisches und modernes Leben in die alten Mauern bringen, das entdeckten sie jedoch ebenso schnell selbst, und so standen neben geplanten Besichtigungen und Besuchen auch ausführliche abendliche Rundgänge durch die Welt der Kneipen und locations auf dem spontanen Programm.
Das eigentliche Ziel der Reise war jedoch das Kennenlernen einer versunkenen Welt, nämlich jener der jüdischen Bevölkerung, die vor dem Krieg und der Verfolgung durch die Nazis das Leben der Stadt geprägt hatte. Vor allem im Viertel Kazimierzs südlich der Altstadt, wo zahlreiche Synagogen und Friedhöfe an die jüdische Vergangenheit erinnern – und wo koschere Restaurants und Geschäfte zeigen, dass das jüdische Leben wieder an Gestalt gewinnt. Zu dieser Vergangenheit gehören in Krakau auch die Orte, an denen Steven Spielbergs Film Schindlers Liste nicht nur gedreht wurde, sondern auch seine reale Vorgeschichte hatte. Und zu dieser Vorgeschichte gehört auch das unweit von Krakau gelegene Konzentrationslager Auschwitz, dessen Gedenkstätte ebenfalls Teil des Besuchsprogramms der Öhringer Jugendlichen war.
Nach dieser Exkursion und nach dem Besuch der Orte, mit denen man sich bisher nur theoretisch und mit Hilfe der Literatur beschäftigt hatte, fällt es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Seminarkurs ‚Jüdische Kultur in Polen‘ nun um so leichter, an ihren schriftlichen Ausarbeitungen zu arbeiten und diese mit eigenen Eindrücken und Bildern zu verbinden.

Die Öhringer Gruppe unter der Glocke des Krakauer Wawels, bei deren Berühren ein Wunsch in Erfüllung geht – so heißt es.