Lerngeschichten praktisch

Ein Besuch Hohenloher Erzieherinnen im Reutlinger Kinderhaus Betzenried
Anfang Juni machen sich sieben angehende Erzieherinnen aus dem Hohenlohekreis in Begleitung ihrer Lehrerinnen Edelraud Klar und Claudia Litterst sowie ihres Lehrers Franz Reinalter von der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule auf den Weg zum Kinderhaus Betzenried in Reutlingen. Die seit 2010 bestehende Gruppe gehört zum Fachforum ‚Bildungs- und Lerngeschichten‘, das am Kompetenzzentrum der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen angesiedelt ist. Den Fachfrauen ging es darum, zu erkunden, wie die von der Neuseeländerin konzipierten Lerngeschichten (s.u. ‚Hintergrund‘) in der Praxis anwendbar sind.
Im Reutlinger Kinderhaus Betzenried wurde die Gruppe von Karin Trautwein als Vertreterin des Trägers der Stadt Reutlingen begrüßt. Regine Woelki, die Hausleitung, und Karin Trautwein standen einen ganzen Nachmittag für viele Fragen und Informationen rund um das Thema Lerngeschichten und ihre konkrete Bedeutung im Kontakt mit Kindern zur Verfügung. Auch eine Hospitation beim täglichen Guppengeschehen stand auf dem Programm, sodass die Öhringer Gruppe viele Anregungen für die eigene Arbeit und Ausbildung nach Hohenlohe mitnehmen konnte.

Die Öhringer Gruppe in den Räumen des Reutlinger Kinderhauses Betzenried.

Die Öhringer Gruppe in den Räumen des Reutlinger Kinderhauses Betzenried.

HINTERGRUND:
Ende der 1990er Jahre wurde von Margarete Carr u.a. in Neuseeland die „Learning stories“ entwickelt. Die „Bildungs- und Lerngeschichten“ sind ein Instrument zur Konkretisierung und Umsetzung des Bildungsauftrages im Elementarbereich und setzen an den Stärken und Kompetenzen des einzelnen Kindes an. Es handelt sich um Geschichten, die vom Lernen eines Kindes erzählen, das zuvor während einer Tätigkeit von der Erzieherin beobachtet wurde. Diese Beobachtung wird anschließend anhand von Lerndispositionen ausgewertet. So werden Bildungsinteressen des Kindes sichtbar. Die Lerndispositionen sind: Interessiert sein, engagiert sein, standhalten bei Herausforderungen, sich ausdrücken und mitteilen, an der Lerngemeinschaft mitwirken und Verantwortung übernehmen.
Im Team werden Auswertungen und Deutungen diskutiert und so kommen unterschiedliche Perspektiven und Deutungen ins Spiel. Diese Ergebnisse werden dann in einer Lerngeschichte zusammengefasst. Die Lerngeschichte wird meist als Brief an das Kind verfasst. Lerngeschichten haben vor allem die Aufgabe, Grundlage für pädagogische Entscheidungen zu sein. Aus ihnen gewinnt die Erzieherin Einblick in den Wissensstand des Kindes und seine Interessen. Auf dieser Grundlage können dann weitere Lernangebote geschaffen und Materialien bereitgestellt werden.
Die Erzieherin liest dem Kind die Lerngeschichte vor. Dabei entsteht wieder ein Dialog mit dem Kind, auch können die Lerngeschichten bei Entwicklungsgesprächen mit Eltern herangezogen werden. Die Stärken und individuellen Bedürfnisse und Themen des Kindes werden in den Blick genommen; auf diesem Weg wird dem Kind die Art und Weise, wie es lernt, bewusst gemacht.