Zucker oder Salz? Einfache Fragen und komplizierte Zusammenhänge

Ein Vortrag über naturwissenschaftliche Bildung in der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule

Gisela Lück konfrontiert die Zuhörer ihres Vortrags des Kompetenzzentrums für Elementarpädagogik mit einer Experimentierfrage: „Was löst sich in einem Glas mit Wasser leichter. Ein Löffel Zucker oder ein Löffel Salz?“ Die renommierte Professorin für die Didaktik der Chemie an der Universität Bielefeld forscht seit Jahren zu der Frage, wie die kindliche Neugier auf das Verstehen einfacher, aber vor allem auch komplizierter Zusammenhänge, von Bildungseinrichtungen besser genutzt werden könnte. Dabei weiß sie um die Gefahren, Bildung auf Fragen der Rentabilität zu reduzieren.
In ihrem Vortrag vor einem interessierten und zahlreich erschienenen Publikum in der Aula der Richard-von-Weizsäcker-Schule ging sie dabei jedoch nicht nur auf didaktische Prozesse ein, sondern packte auch das heiße Eisen der Chancengleichheit an: An verschiedenen Schulen hat sie mit Kindern die gleichen Experimente gemacht; der einzige Unterschied war, dass die einen Kinder der gut situierten Mittelschicht angehörten, andere jedoch eine sogenannte Brennpunktschule besuchten. „Glauben Sie mir, das Interesse und die Neugier waren nicht zu unterscheiden“, unterstrich Gisela Lück, und interpretierte das Resultat: „Mit fünf Jahren geht die Bildungsschere noch nicht auseinander. Egal aus welcher Schicht die Kinder kommen.“ Dies ist Grund genug für die Didaktiker, möglichst allen Kindern die gleichen Chancen einzuräumen, ihre Neugier zu entwickeln und zu stillen.
Dies ist ein Aspekt, den Ansgar Hagnauer, Abteilungsleiter der Fachschule für Sozialpädagogik, und Uwe Stiefel als Schulleiter gerne aufgriffen: „Uns geht es darum, die didaktischen Ansätze unseres Kompetenzzentrums immer wieder nach wissenschaftlichen Kriterien zu überprüfen“, betonte Uwe Stiefel und war der Wissenschaftlerin Lück dankbar, die Öhringer Bemühungen um die Förderung der frühkindlichen Bildung zu unterstützen und zu bestätigen. Unterstützung erfährt das Projekt ebenfalls durch die Bildungsregion Hohenlohekreis, die unter anderem durch Kurt Finkenberger vertreten war.
Und die Eingangsfrage nach Zucker oder Salz? Gisela Lück blieb die Antwort bewusst schuldig: „Probieren Sie es aus“, gab sie ihren Zuhörern mit auf den Weg; nur so könne man sich in die Neugier der Kinder hineinversetzen – was übrigens die beste Art sei, diese zu fördern.

natbildung2

natbildung