Was verlorengegangen ist

Schüler/-innen der Richard-von-Weizsäcker-Schule erinnern an den Reichtum der jüdischen Kultur – und an deren Vernichtung vor 77 Jahren

Als Vertreter des ‘Arbeitskreises Ehemalige Synagoge‘ begrüßte Hubert Sauthoff am vergangenen Dienstag die zahlreichen Besucher/-innen in den Räumen an der Unteren Torstraße in Öhringen zu einem Abend, an dem es nicht nur um das Gedenken ging: Am 77. Jahrestag des Judenpogroms vom November 1938 in Öhringen galt es, den Verlust zu ermessen, der seit der Vertreibung der Juden aus Deutschland und der Zerstörung ihrer Kultur besteht. Die menschlichen Schicksale sind schrecklich, und sie bedürfen der stetigen Erinnerung; diesem Zweck dienten die Bilder an den Wänden und die Nennung der Namen und Werke deutscher jüdischer Künstler (Literaten, Musiker und bildende Künstler), deren Schaffen nach 1945 teilweise in Vergessenheit geraten ist – und eben nicht verlorengehen soll. Damit jüdische Kunst und Kultur auch hörbar, erlebbar und erfahrbar wird, gestalteten Schüler/-innen der Musik- und Theaterkurse an der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule den Abend mit beeindruckenden musikalischen und rezitierten Beiträgen: Die Atmosphäre des ostjüdischen Shtetls kam bei filigranen Geigenklängen einer Fiddlerin on the roof auf, und die im Wechsel rezitierten Rabbinerweisheiten ließen den jüdischen Witz brillieren. „Uns kommt es darauf an, nicht in Trauer und Scham – so wichtig diese sind – zu verharren, sondern den jungen Menschen zu zeigen, wie reich die jüdische Kultur ist – und in Deutschland war“, erläutert Theaterpädagoge Günter Menz, der gemeinsam mit Dorothee Maier-Flaig das musikalisch-literarische Programm des Abends konzipiert hatte. Der Funke der jüdischen Musik und der Sprache der Gedichte von Paul Celan, Else Lasker-Schüler und Mascha Kaléko sprang über auf die Öhringer Jugendlichen, die mit Sprachwitz, Humor, Engagement und viel musikalischem Können eine verschwundene Welt für einen Abend wiederauferstehen ließen – und das Publikum zum Mitsingen animierten. Der Vorsatz ist da, dass es nicht bei diesem einen Abend bleiben soll; und dass das düstere Wort aus Mascha Kalékos Sonett in Moll („Grau ist die Wolke, die so rosig war./Und all das Licht, das Licht in uns – verloren“) nicht das letzte bleiben darf, darüber war man sich einig, als im Anschluss bei israelischem Leckereien viele Gespräche über die Zukunft jüdischen Denkens und jüdischer Kultur in Deutschland geführt wurden.

Musiziert haben Philine Wulf (Geige), David Eber (Klavier), Isabell Holzwarth (Flöte), Max Lasch (Fagott) sowie ein Chor aus Schülerinnen und Schülern der Eingangsklassen der beiden Beruflichen Gymnasien an der RWS sowie des Ersten Jahres der Fachschule für Sozialpädagogik der RWS.

Die Texte rezitiert haben Mia Gerlach, Moritz Müller, Claudia Schmidt, Gianna Thomalla und Janine Kollmar.

Text: Klünemann                 Bilder: Hachenberg (Hohenloher Zeitung)

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