Ein philosophischer Abend über die Liebe

Die Liebe ist – mindestens! – so vielfältig wie die verschiedenen Sprachen, in denen dieses Wort zum Ausdruck kommt: Das wurde gleich zu Beginn des kurzweiligen Abends in der Aula der Richard-von-Weizsäcker-Schule klar, als die Teilnehmer/-innen der von Günter Menz geleiteten Theater-AG mit Fähnchen verschiedenster Länder in der Hand auftraten und das Wort ‚Liebe‘ in der entsprechenden Sprach deklamierten. Scheinbar wie von selbst ergab sich dabei das Tableau der berühmten ‚Schule von Athen‘ – eines Raffael-Freskos im Vatikan, auf dem der Renaissance-Künstler sämtliche antike Philosophen auf den Stufen einer fiktiven Basilika auftreten läßt.
Staunen und Lieben (wozu nicht nur die φιλο-σοφία, die philosophische Liebe zur Weisheit gehört) gehen Hand in Hand – das machte das rezitierte Platon-Zitat („Denn gerade das ist ja das eigentliche Erlebnis des Philosophen, das Staunen, es gibt nämlich keinen anderen Ursprung der Philosophie als diesen“) deutlich, mit dem das Raffael-Gemälde nun sprachliche Formen annahm. Aber wenn auch – nach dem britischen Philosophen Whitehead – alles Philosophieren nur aus Fußnoten zu Platon besteht, so lohnt es sich doch, diese Fußnoten ‚mal genauer anzuschauen: Und wer unter den philosophischen Köpfen der vergangenen zweieinhalbtausend Jahre hatte nicht alles etwas zum Thema Liebe zu sagen: Die Öhringer Schüler/-innen ließen sie alle auf der ‚philosophischen Treppe‘ zu Wort kommen: den heiligen Paulus (mit seinem in keiner Trau-Zeremonie fehlen dürfenden Korintherbrief), Aristoteles, Thomas von Aquin, Descartes, Nietzsche (ja, auch den!) bis hin zu Erich Fromm und Roland Barthes. Deren jeweilige zentrale Aussagen wurden von den Jugendlichen auf Plakaten dargestellt. „Wir wollen aber nicht nur darstellen, wir wollen ins Gespräch kommen“, skizzierte Günter Menz seinen theaterpädagogischen Ansatz, und die Gitarrenmusik im Hintergrund sowie Gedichte von Rilke und anderen pathosverdächtigen Poeten trugen wesentlich zum Icebreaker-Effekt bei, der für jedes Gespräch mit dem Publikum unerläßlich ist. So wurde im Laufe des Abends die Bühne in der Weizsäcker-Aula nicht nur zur Treppe der Schule von Athen, sondern zum philosophischen Salon!

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