Mehr als ein Festakt

Die Richard-von-Weizsäcker-Schule feierte das 25-jährige Bestehen ihrer Fachschule für Sozialpädagogik – der Festvortrag von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer sorgte für engagierte Diskussionen

Viele Gäste konnte Schulleiter Uwe Stiefel am Donnerstag, 19. Oktober 2017, in der Aula der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule begrüßen: Gefeiert wurde das 25-jährige Bestehen der Fachschule für Sozialpädagogik (FSP), und die rege Anteilnahme an diesem Jubiläum zeigte, welchen Platz sich die FSP in der Bildungslandschaft Hohenlohe-Franken in den letzten 25 Jahren erarbeitet hat. Für den Träger der Schule, den Hohenlohekreis, lobte dessen Landrat Dr. Matthias Neth die innovative Ausrichtung der Öhringer Fachschule, und Thilo Michler, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Öhringen, unterstrich die Notwendigkeit einer qualifizierenden Ausbildung mit Blick auf die zahlreichen Einrichtungen für frühkindliche Bildung im Stadtgebiet; Michler freute sich, dass die FSP deren zuverlässiger Garant sei. Dass und warum die Arbeit der Öhringer Fachschule so erfolgreich ist, erläuterte Susanne Fritz, die als Repräsentantin des Stuttgarter Regierungspräsidiums nach Öhringen gekommen war.

Eindeutiger Höhepunkt der Veranstaltung war der Fachvortrag von Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer vom Ulmer Zentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), der über die Risiken einer Digitalisierung des Bildungsbereichs sprach. Manfred Spitzer ist der Öhringer Fachschule auf vielfältige Weise verbunden, nicht zuletzt wegen einer gemeinsamen Langzeitstudie vor einigen Jahren, als eine rege Zusammenarbeit zwischen der Öhringer FSP und dem Ulmer ZNL bestand. Sein Vortrag ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Nach Überzeugung des Wissenschaftlers ist die von Seiten der Politik sowie der Industrie forcierte Digitalisierung des Schulunterrichts ein fundamentaler Angriff auf und Eingriff in bewährte Strukturen von Bildungstraditionen, denen an der Autonomie der Lernenden und an der Kreativität von Lernprozessen liegt. Dabei lehnt Manfred Spitzer – anders als einige seiner polemischen Kritiker behaupten – keinesfalls die digitale Medienwelt ab: Sein Plädoyer richtet sich indes gegen deren Instrumentalisierung in Schulen und Unterricht, was zu einer Verarmung der Sprache und zu einer Paralysierung von Neugier und Weltzugewandtheit führe.

Die Gäste des Festakts – das zeigte die lebhafte Diskussion im Anschluss an den Spitzer-Vortrag – waren tief berührt von den aufrüttelnden Thesen des Ulmer Wissenschaftlers. Und so war es der Öhringer Fachschule an ihrem Jubiläumstag einmal mehr und wie so oft in den vergangenen 25 Jahren gelungen, die aktuellen bildungspolitischen Diskussionen anzuregen und die Überlegungen über die Zukunft der Bildungslandschaft Hohenlohe-Franken mitzugestalten.

Impressionen vom Festnachmittag am 19. Oktober 2017 in der Richard-von-Weizsäcker-Schule: