Erinnerung an ein enfant terrible der deutschen Literatur

Eine Soirée an der Richard-von-Weizsäcker-Schule zu Ehren Frank Wedekinds

Unter dem Motto Vom Werbetexter zum Skandalautor präsentierten die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses am Agrarwissenschaftlichen und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule eine Revue zum 100. Todestag des Autors Frank Wedekind. Dabei gingen sie der Frage nach, wieso der Wahl-Münchner Wedekind nicht nur in der der Kaiserzeit als enfant terrible galt. Zweifellos war er ein Bürgerschreck, der Theaterstücke und Moritaten verfasste, die damals das Publikum schockierten. Anhand ausgewählter dramatischer sowie lyrischer Texte, gemischt mit Biographischen, zeichneten die Jugendlichen unter Anleitung von Theaterlehrer Günter Menz ein vielschichtiges Bild des skandalumwitterten Autors, auf den der sarkastische Satz „Der Mensch wird abgerichtet, oder er wird hingerichtet“ zurückgeht. So gab aus Ausschnitte aus FrühlingsErwachen zu sehen sowie aus Lulu und eine szenische Umsetzung der Moritat Brigitte B., und zu hören waren kabarettistische Texte wie Der Tantenmörder oder Diplomaten. Facette um Facette fügte sich so zum Bild eines Autors, der die prüde Moral jener Jahre nicht nur auf der Theaterbühne, sondern auch im Simplicissimus und im Kabarett verspottete. Das Publikum wurde mit der Frage konfrontiert, ob seine Texte auch heute noch einen Skandal auslösen könnten. Im zweiten Teil des Abends stellten die Schüler/-innen während eines Büchermarktes aktuelle Romane kritisch vor und kamen mit den Besuchern darüber ins Gespräch. Der Bogen der 15 vorgestellten Werke reichte von Norbert Scheuer (Am Grund des Universums) über Jane Gardam (Letzte Freunde) bis zu Hanya Yanagihara (Ein wenig Leben) und zeigte nicht nur die Vielfalt der literarischen Neuerscheinungen, sondern auch des Literatur-(Er-)Lebens an der Richard-von-Weizsäcker-Schule.