Anerkennung und Ermutigung aus Neuseeland

Das ‚Forum Lerngeschichten‘ an der Öhringer Richard-von-Weizsäcker-Schule feiert das 10-Jährige Bestehen

Wieder einmal, wie schon so viele Male in den vergangenen zehn Jahren, trafen sich am Samstag Erzieherinnen aus der Region, um sich mit dem Thema ‚Lerngeschichten‘ zu befassen. Dieses Mal allerdings wurde gefeiert. Vor genau 10 Jahren wurde das ‚Forum Lerngeschichten‘ gegründet. Anlass war der Vortrag von Wendy Lee, der Leiterin des Educational Leadership Project, in Neuseeland an der Richard-von-Weizsäcker-Schule in Öhringen. Wendy Lee inspirierte damals ihr Publikum. Sie führte in das Konzept der Learning Stories ein, das Mitte der 90er Jahre in Neuseeland entwickelt wurde und seitdem Verbreitung auf allen Kontinenten der Erde findet: seit Wendys Besuch im Jahr 2010 auch in Öhringen. Zwei Lehrkräfte der Richard-von-Weizsäcker Schule luden damals die Fachkräfte des Vortrages ein, sich in einem Forum regelmäßig zu treffen, um die Lerngeschichten besser zu verstehen und in die eigene Praxis zu integrieren.

Seitdem trifft sich eine kleine Gruppe interessierter Erzieherinnen, liest Fachtexte, um die Idee, die hinter den Lerngeschichten steht zu verinnerlichen, tauscht Erfahrungen und eigene Geschichten aus und gibt sich damit Rückhalt und Inspiration. Besuche in Leuchtturmeinrichtungen und von Kongressen waren Höhepunkte, so in Reutlingen, Stuttgart, Würzburg und München.

An diesem Nachmittag nun stehen die Erzieherinnen rund um einen Bildschirm und lauschen gespannt der Stimme von Wendy Lee aus Neuseeland. Franz Reinalter, Lehrer an der Richard-von-Weizsäcker-Schule, hatte über die Jahre den Kontakt zur neuseeländischen Pädagogin gehalten und sie angefragt, einen kleinen Gruß nach Öhringen zu schicken. Nun ist er genauso begeistert und berührt von Wendys Worten wie die Erzieherinnen. Zum einen, dass sich die in der ganzen Welt geschätzte neuseeländische Kollegin so gut an die Eindrücke aus Öhringen erinnert, und zum anderen, dass sie es schafft, über diese riesige räumliche Distanz hinweg den Erzieherinnen auf so herzliche Weise ihren Dank und ihren Respekt auszusprechen und sie in ihrem Tun zu ermutigen. Helga Pfahler aus Großbottwar drückt aus, warum sie dies so berührt: „Mit der Einführung des Orientierungsplan habe ich die große Hoffnung verbunden, dass die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern sich qualitativ verbessert und auch von der Gesellschaft und der Politik endlich in ihrem Wert anerkannt und unterstützt wird. Obwohl ich mich wie viele andere Fachkräfte auch mit großem Engagement fort- und weitergebildet habe, hat sich diese Hoffnung aus meiner Sicht leider nicht erfüllt. In vielen Einrichtungen steht die Betreuung der Kinder im Vordergrund. Für eine qualitativ gute Begleitung der Bildungsprozesse fehlen die Ressourcen.“

Und so ist auch dieser Nachmittag, der bei bestem Wetter auf der grünen Wiese stattfindet, von unterschiedlichen Stimmungen geprägt. Dem Austausch über die Freude an der Arbeit mit den Lerngeschichten und der Zufriedenheit darüber, über die Geschichten eine unvergleichliche Tiefe und Nähe zu den Kindern und den Familien herzustellen. Und auf der anderen Seite dem Wunsch danach, unter Bedingungen zu arbeiten, die es ermöglichen diese Arbeit noch intensiver machen zu können. Denn sie wollen den ihnen anvertrauten Kindern vermitteln, was und wie sie jeden Tag lernen und dass jedes von ihnen einen wichtigen Beitrag für die Gemeinschaft leistet und gebraucht wird. „Jede Stimme, jeder Beitrag, jeder Mensch zählt“, wie Wendy Lee das ausdrückt.

Und so endet der Jubiläumstag damit, dass die Erzieherinnen sich gegenseitig Geschichten vorlesen, die von ihrem eigenen Lernen handeln. Denn heute sind sie es, die erfahren: meine Stimme zählt – ich mache den Unterschied.

Und dies sind im Einzelnen: Helga Pfahler, Rita Großhans/Kindergarten Hegelstraße Großbottwar, Birgit Röger und Anette Hübel/KiTa Sonnenschein Ingelfingen, Andrea Zürn und Alexandra Saile/Gemeindekindergarten Schöntal-Bieringen, Beate Körner/Kath. Kindergarten Bretzfeld.

Wer interessiert ist, die Gruppe kennenzulernen und sich am Austausch zu beteiligen, wende sich an die Richard-von-Weizsäcker Schule: Tel.: 07941/9269-0

Ansprechpartner: Franz Reinalter